Quietschende Bremsen sind oft nur Flugrost, Feuchtigkeit oder Bremsstaub und verschwinden nach wenigen Bremsungen von selbst. Bleibt das Geräusch über mehrere Fahrten bestehen, wird es metallisch oder kommen längerer Bremsweg, Vibrationen oder eine Warnleuchte dazu, sollten Beläge, Scheiben und Bremssättel in der Werkstatt geprüft werden.
Warum quietschen Bremsen überhaupt?
Beim Bremsen drückt der Bremssattel die Beläge gegen die rotierende Bremsscheibe. Dabei entsteht Reibung, und unter bestimmten Bedingungen geraten Belag, Scheibe oder Sattel in eine hochfrequente Schwingung. Diese Schwingung hören Sie als Quietschen. Ob es harmlos ist oder auf einen Defekt hinweist, hängt davon ab, wann es auftritt und ob es wieder verschwindet.
Ein Quietschen allein sagt also noch nichts über den Zustand der Bremse aus. Entscheidend ist der Zusammenhang: nur morgens, nur bei Nässe, nur beim leichten Bremsen oder dauerhaft bei jeder Bremsung.
Harmlose Ursachen: Flugrost, Nässe und kalte Bremsen
Die meisten Quietschgeräusche haben eine einfache Erklärung und verschwinden ohne Reparatur.
- Flugrost: Bremsscheiben bestehen aus Gusseisen und setzen nach Regen, einer Autowäsche oder ein paar Tagen Standzeit eine dünne Rostschicht an. Die ersten Bremsungen schleifen sie ab, danach ist Ruhe.
- Feuchtigkeit: Bei Nässe liegt ein Wasserfilm zwischen Belag und Scheibe. Das verändert die Reibung und kann ein Quietschen auslösen, bis die Bremse wieder trocken ist.
- Kalte Bremsen am Morgen: Beläge und Scheiben erreichen erst nach einigen Bremsungen ihre Betriebstemperatur. Vorher reagiert der Belag anders, was sich oft als kurzes Quietschen bemerkbar macht.
- Bremsstaub: Der Abrieb der Beläge sammelt sich zwischen Belag, Scheibe und Sattel. Vor allem beim leichten Bremsen im Stadtverkehr kann er ein hohes Geräusch verursachen.
Typisch für diese Ursachen: Das Quietschen tritt zu Beginn der Fahrt auf und ist nach wenigen Kilometern weg. Die Bremswirkung bleibt normal, und das Pedal fühlt sich an wie immer.
Ernste Ursachen, die Sie prüfen lassen sollten
Bleibt das Geräusch über mehrere Fahrten bestehen oder ändert es seinen Charakter, lohnt sich ein genauer Blick auf die Bremse.
- Verschleißanzeige: Viele Beläge haben einen kleinen Metallstift, der an der Scheibe schleift, sobald der Belag dünn wird. Dieses Quietschen ist gewollt und bedeutet, dass die Beläge bald getauscht werden müssen. Fahrzeuge mit elektrischem Sensor zeigen zusätzlich eine Warnleuchte.
- Verglaste oder verhärtete Beläge: Werden Beläge zu heiß, etwa bei langen Bergabfahrten, verhärtet ihre Oberfläche. Sie greifen schlechter, quietschen und bremsen spürbar weniger.
- Fremdkörper: Ein kleiner Stein zwischen Belag und Scheibe oder hinter dem Abdeckblech verursacht ein Schleifen oder Quietschen, das sich mit jeder Radumdrehung wiederholt.
- Festsitzender Bremssattel: Gehen die Führungsbolzen oder der Kolben schwer, löst sich der Belag nach dem Bremsen nicht mehr vollständig von der Scheibe. Die Bremse schleift dauerhaft, wird heiß, und das betroffene Rad ist nach der Fahrt deutlich wärmer als die anderen.
- Ungeeignete oder minderwertige Beläge: Beläge, die nicht zum Fahrzeug passen oder ohne Dämpfbleche und Montagepaste eingebaut wurden, neigen zum Dauerquietschen, auch wenn sie neu sind.
- Verschlissene oder verzogene Scheibe: Liegt die Scheibe unter dem Mindestmaß oder hat sie sich durch Hitze verzogen, entstehen Geräusche und ein Rubbeln im Pedal.
Welches Geräusch bedeutet was?
Das Geräusch selbst gibt oft schon einen Hinweis auf die Ursache. Die Tabelle fasst die häufigsten Fälle zusammen.
| Geräusch | Wahrscheinliche Ursache | Dringlichkeit |
|---|---|---|
| Hohes Quietschen, nur zu Fahrtbeginn oder bei Nässe | Flugrost, Feuchtigkeit, kalte Bremsen | Gering, beobachten |
| Quietschen bei jeder Bremsung, auch warm und trocken | Verschleißanzeige, verglaste oder ungeeignete Beläge | Zeitnah prüfen lassen |
| Schleifen oder Kratzen, metallisch | Belag abgefahren, Metall auf Metall, Fremdkörper | Sofort in die Werkstatt |
| Rubbeln oder Vibrieren im Pedal | Verzogene Bremsscheibe | Zeitnah prüfen lassen |
| Klappern über Unebenheiten | Lose Beläge, fehlende Federn oder Halteklammern am Sattel | Zeitnah prüfen lassen |
Was in der Werkstatt geprüft wird
Für eine Bremsenprüfung kommt das Auto auf die Hebebühne, und die Räder werden abgenommen. Erst dann lässt sich der Zustand von Belägen, Scheiben und Sätteln sicher beurteilen.
- Belagstärke messenJeder Belag wird gemessen und mit dem Mindestmaß des Herstellers verglichen. Auch die Oberfläche wird begutachtet: verglast, ungleichmäßig abgefahren oder rissig.
- Scheiben prüfenDicke, Riefen, Rostkanten und Seitenschlag. Eine verzogene Scheibe lässt sich mit der Messuhr nachweisen.
- Sattel gangbar machenFührungsbolzen und Kolben werden gereinigt, neu gefettet und auf Leichtgängigkeit geprüft. Ein Dauerschleifen lässt sich so häufig ohne neue Teile beheben.
- Bremsflüssigkeit prüfenFüllstand und Wassergehalt. Alte Bremsflüssigkeit nimmt Wasser auf und senkt den Siedepunkt, was bei starker Belastung zu einem weichen Pedal führen kann.
Warum Bremsen sicherheitsrelevant sind
Die Bremse ist das System, das Ihr Auto in jeder Situation zum Stehen bringen muss. Ein abgefahrener Belag verlängert den Bremsweg, eine einseitig schleifende Bremse lässt das Auto beim Bremsen zur Seite ziehen, und überhitzte Beläge verlieren ihre Wirkung genau dann, wenn Sie sie am dringendsten brauchen.
Deshalb gehört die Bremsanlage bei der Hauptuntersuchung zu den wichtigsten Prüfpunkten. Der Prüfer misst die Bremskraft auf dem Prüfstand, vergleicht die Werte der linken und rechten Seite und sieht sich Beläge, Scheiben, Leitungen und Schläuche an. Deutlich zu dünne Beläge, verschlissene Scheiben oder undichte Leitungen gelten als erheblicher Mangel, und das Fahrzeug bekommt keine Plakette.
Wann Sie damit in die Werkstatt sollten
- Das Geräusch ist metallisch, schleift oder kratzt
- Der Bremsweg ist länger als gewohnt
- Das Auto zieht beim Bremsen zur Seite
- Die Bremsen-Warnleuchte im Kombiinstrument leuchtet
- Das Pedal fühlt sich weich an oder lässt sich weiter als sonst durchtreten
- Das Quietschen bleibt über mehrere Tage und auch bei trockener Straße
Trifft eines dieser Zeichen zu, lassen Sie die Bremse vor der nächsten längeren Fahrt prüfen. Bei uns in Lünen gehört die Bremsenprüfung zur Kfz-Reparatur und zum TÜV-Service, bei dem wir das Auto vor der Hauptuntersuchung durchsehen. Einen Termin bekommen Sie über das Rückruf-Formular oder telefonisch unter 02306 / 763 71 72.
